Nochmal Ballons und doch noch eine unterirdische Stadt

 Der letzte Tag in Kappadokien ist angebrochen. Heute Nachmittag geht unser Flieger, so haben wir noch viel Zeit. Aber ich bin trotzdem wieder früh wach, ich will wissen, ob die Ballons heute wieder fliegen. Gestern war bei trüben Wetter und Nieselregen kein Start und wir haben uns umso mehr gefreut, dass wir vorgestern Glück hatten und fahren konnten. Also schnell anziehen und die steile Außen-Treppe zur Terrasse und unserem Frühstücksraum.

Und tatsächlich.... Da kommen sie.... 





So schön sieht das aus und wir genießen die Erinnerung an unsere Fahrt. 

Hier sieht man, wie die Höhlen oft genutzt werden... Als Lager etc.. 

Nach dem Frühstück packen wir Alles  ins Auto und fahren ins 

Devrent Vadisi/Imagination Valley/Rosa Tal, das ich noch mit unbedingt! auf meiner Liste habe. Hier soll es Felsformationen in Gestalt von Tieren und Figuren geben, eine Art Mondlandschaft und irgendwo auch noch die Ayvali Kilise. Die Täler sind heute morgen noch gefüllt mit Nebel. 
Das Kamel erkennen wir gut


Da seh ich einen Stier oder irgendwas Anderes Gehörntes

Das ist fast ein wenig unheimlich im Nebel


Ich hatte gedacht, wir würden in diesem Tal nochmal zwei Stunden rumlaufen, aber man fährt eher durch oder steigt aus und klettert und wandert.... Beides nicht unser Ding heute Morgen. 
Also folgen wir einem Hinweis zum Zelve Open Air Museum.
 Zelve Vadisi /Eski Zelve ist ein fast vollständig aus Höhlen bestehender Ort. Erst 1953, nachdem durch Erdbeben und Erosion immer mehr der Höhlen einstürzten, wurden die letzten Bewohner in ein mit staatlicher Hilfe neu gebautes Dorf mit Namen Yeni Zelve (Neu-Zelve, heute Aktepe) umgesiedelt. 1967 wurde das Gelände zum Museum erklärt. Allerdings habe ich auch hier notiert, dass die Begehung des Museums ziemlich schwierig sein soll und sie daher nicht geplant. Aber schon vor dem Eingang finden wir eine interessante Höhlenlandschaft und da kann man auch gut hinlaufen








Hier gibt es wieder viel Weinanbau



Beim Weiterfahren finden wir sogar noch eine große Höhle mit eigenem Parkplatz zu der man ganz bequem gelangen kann. Dementsprechend sieht das Umfeld hier auch nach vielen Partys und Schäferstündchen aus. 







Wir haben immer noch viel Zeit, bis wir das Auto abgeben sollen, also fahren wir jetzt doch noch nach Özkonak, in die unterirdische Stadt. 


Unterirdische Stadt / Yeralti Sehri/Subterranea:
In 1972 wollte der Bauer Latif Acar in Özkonak wissen, warum und wohin das Regenwasser auf seinem Gelände verschwand, kurz darauf traf er auf einen schmalen, dunklen Gang, der in ein verzweigtes Tunnelsystem führte. Die Tunnel führten in weitere Räume, manche davon klein, andere wiederum groß wie Hallen. So oder ähnlich beginnt jede Geschichte über die bisher entdeckten unterirdischen Städte in Kappadokien. Deren Anzahl wird auf über 100 geschätzt, bekannt sind bisher ungefähr 40, öffentlich zugänglich gemacht nur wenige, diese zum Teil auch schon wieder geschlossen. Die bekanntesten sind Derinkuyu, Kaymakli, Özkonak, Mazi, Tatlari und Gaziemir. Vermutet wird, dass mehrere der Städte durch Gänge verbunden waren. Die Einwohnerzahlen werden auf 3000 bis zu 30000 geschätzt. Das muss man sich vorstellen, womöglich monatelang mit soviel Menschen in einem Höhlensystem zu leben, ohne rauszukommen und ohne wirklich zu wissen, was draußen passiert. Die unterirdischen Bauwerke sind zum Teil gigantisch und reichen mit vielen Etagen wie ein Hochhaus über 120 m tief ins Erdreich. In den Höhlen fanden die Bewohner Schutz vor Angreifern wie z.B. arabischen Invasoren, insbesonder aber auch die Christen vor religiöser Verfolgung. Die wenigen äußeren Zugänge waren durch Sträucher getarnt und somit  kaum erkennbar. Im Inneren bestanden die Höhlenstädte aus einem für Aussenstehende unüberschaubaren Labyrinth von Gängen, die wiederum einzeln durch meterhohe, mühlsteinartige Steine verschliessbar waren. Die Steine waren so eingebaut, dass sie sich von innen relativ leicht in die Verschlussstellung rollen liessen, von aussen aber nicht zu bewegen waren. Sie hatten in der Mitte ein Loch, das vermutlich als eine Art Türspion diente. In einigen Städten sind darüber in der Decke Löcher angebracht, durch die Feinde mit Speeren angegriffen werden konnten. In den oberen Etagen waren meist die Ställe und Tiere untergebracht, ebenso Lagerräume  In die Felswände waren Behälter für verschiedenste Arten von Lebensmitteln eingearbeitet, ebenso wie Mulden für Gefässe, in denen zum Beispiel Flüssigkeiten gelagert werden konnten. Weiter unten liegen Wohn- und Wirtschaftsräume, wobei wiederum Möbel wie Sitzbänke, Tische und Schlafstätten in den Stein gehauen waren. Zu den Wirtschaftsräumen zählen beispielsweise in Derinkuyu eine Weinpresse, in Kaymaklı ein Schmelztiegel für Kupfer, aber auch Zisternen und Brunnen, die bei längerem Aufenthalt die Trinkwasserversorgung sicherten. In manchen Höhlen gab es Löcher  für die Kochstellen, aber nicht alle Bewohner hatten eine eigene, dafür gab es einen zentralen Raum. Gekocht wurde wahrscheinlich nachts, damit der aufsteigende Rauch keinem auffallen konnte.  Die größeren Bereiche und Kammern sind durch Tunnel miteinander verbunden und es gibt Rohrkommunikationssysteme von einer Etage zur anderen.  In den tieferen Stockwerken befanden sich Klosterschulen und Kirchen.  In den Nebenräumen der Kirchen sind in die Wände Grabmale eingemeißelt. Zur Versorgung der Bewohner mit Frischluft  zum Atmen, Beleuchtung und Abzug vom Rauch der Feuerstellen gab es ein komplexes, heute noch funktionierendes System von Luftschächten.
In Özkonak sind bisher nur 4 Etagen geöffnet, es gibt wohl insgesamt 10 bis in 40 m Tiefe. Udo kehrt im zweiten Raum um, ich gehe zwei Etagen runter. Das reicht, man muss ja nicht alles sehen und so allein, hab ich ein bisschen Angst, mich zu verlaufen. 












Wie könnte so ein riesiger Stein vor den Gang geschoben werden? 





So ein Gang abwärts


Nochmal ein Stein zum Verschließen des Ganges



Es war beeindruckend. Jetzt haben wir Vieles in Kappadokien gesehen und erlebt, wir können zurück an die Küste fliegen. Es gibt aber noch soviel mehr. Wenn wir Wanderer wären und jünger, müssten wir 3 Wochen in Kappadokien bleiben. So ist für uns ein Wunsch in Erfüllung gegangen und wir sind sehr glücklich und zufrieden. 












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