Gestern Abend haben wir endlich das Göreme Open Air Museum gefunden. Witzigerweise ist es auf unserer Route vom Hotel aus überall ausgeschildert, wenn man den Berg runterkommen, gibt es aber kein Schild mehr. Da geht man wohl davon aus, dass jeder den Parkplatz und Eingang, der gleich rechts kurz hinter dem Abzweig ist, sieht. Wir haben aber immer nach links geguckt....🤭
Aber heute morgen wissen wir ja wohin und starten direkt nach unserem türkischen Frühstück.
Als erstes erklimmen wir nicht wenige Stufen zur Tokali Kirche. Die Tokalı Kilise/ „Kirche mit Schnalle“ erbaut im 10.Jahrhundert ist mit Sicherheit eine der größten und buntesten Kirchen in ganz Kappadokien. Sie ist sehr gut erhalten. Tafeln an den Wänden erläutern die einzelnen Bilder. Der Name bezieht sich auf das schnallenartige Dekor im Gewölbe,das ich nicht erkenne. Beeindruckt bin ich aber hier schon, dass man tatsächlich die Fresken erkennen kann. Die Kirche ist, wie auch alle folgenden, winzig klein..... Zum Gottesdienst passten vielleicht 10 bis 15 Personen in eine Kirche. Das erklärt wohl die große Anzahl an Kirchen in jedem Tal. Ich stell mir das mal so vor, dass jeder Prediger und seine Gläubigen eine Kirche geschaffen haben.
Hier gelingt es uns noch Fotos zu machen, bevor wir verwarnt werden.
Dann müssen wir wieder runter und anschließend den gut ausgebauten Stufen weg wieder rauf um den Rundweg durch die Kirchen zu beginnen. Außer uns sind schon einige Busse da, nichts gegen asiatische Touristen, aber sie nerven,da sie eigentlich nur mit Selfies und Fotos von sich selbst beschäftigt sind.
Im Göreme Open Air Museum findet man Kapellen, Kirchen und Klöster mit zum Teil gut erhaltenen bunten Fresken und Wandmalereien. In den Höhlenkirchen sind noch viele Gräber aus der byzantinischen und seldschukischen Epoche zu sehen. In jeder Kirche sitzt aber auch ein Aufseher, der aufpasst, dass keine Fotos gemacht werden. Ist ja richtig... Die Malereien sollen ja auch weiter erhalten werden.
Die Aziz Basil Şapeli/„St.Basilius Kapelle“ ist etwas dunkel und bietet drei Apsiden ***, die mit Fresken versehen sind. Im Vorraum befinden sich Mulden, die früher als Gräber dienten.
Die Barbara Kilise/Barbarakirche (11.Jahrhundert) hat auch einen kreuzförmigen Grundriss und ist neben vorgetäuschten Mauerwerk und Ornamenten in roter Farbe mit relativ einfachen Zeichnungen versehen. Es gibt eine Darstellung des Drachentöters St.Georg mit dem Drachen kämpfend und iIm rechten Flügel ist die Darstellung der St.Barbara zu finden. Beim Vorbereiten unseres Besuches habe ich viel über die Kirchen hier gelesen, allerdings immer mit dem Verdacht, dass man von den aufgeführten Malereien oder auch der ganzen Kirche nicht viel erkennen kann. Dem ist aber nicht so.... Die Malereien sind wirklich fantastisch erhalten und jede Kirche ist in ihrer Form klar zu erkennen. Das begeistert mich sehr. Deswegen stell ich hier auch die Beschreibungen ein, auch wenn es leider keine Fotos dazu gibt.

Die Elmalı Kirche/Apfelkirche (11. bzw. 12.Jahrhundert) hat einen kreuzförmigen Grundriss auf dem sich neun Kuppeln, vier Säulen und drei Apsiden befinden. Sie begeistert mich sehr, irgendwie ist sie so hübsch mit zahlreichen bunten, gut erhaltenen Szenen aus dem Neuen und Alten Testament. So findet man das Abendmahl, die Auferstehung des Lazarus oder Jesus am Kreuze, aber auch die Gastfreundschaft des Propheten Abraham und die Verbrennung der drei Jünglinge im Feuerofen wieder.
Jetzt wird geklettert...

Die Yılanlı Kilis/Schlangenkirche war ursprünglich als Grabkammer angelegt, die in der Südseite liegt. Der Ausbau zur Kirche ist nie vollendet worden, so liegt die Apsis beim Eintritt zur linken Seite immer noch halb fertig gestellt. Ihren Namen hat die Kirche aufgrund der Darstellung der Drachentöter St.Georg und St.Theodorus bzw. des schlangenähnlichen Drachens. Hier sind keine gut erhalten Malereien, also darf ich fotografieren.
Die
Rahibeler Manastırı war ein Nonnenkonvent. Hier finden sich in der ersten Etage ein Speisesaal, die Küche und einige Zimmer, in der zweiten eine eingestürzte Kapelle, in der dritten eine durch einen Felskamin erreichbare Kirche
Die
Yemekhane. Hier
sind neben dem Speisesaal auch ein paar Lager und Nutzräume zu sehen. Was hier jetzt zum Kloster gehört und was zu den Lagerräume ist für uns nicht so ersichtlich aber eigentlich ja auch egal. Interessant ist es auch so!
Und dass es sich hier um einen großen Esstisch und somit wohl dass Refektorium handelt, kann jeder gut erkennen.
Wir sind mittlerweile ziemlich schon ganz schön hoch...
Das sind wohl die Vorratsschränke in die Wände gehauen.
Aber zur Karanlik Kilise müssen wir noch höher klettern, aber es geht über ein ziemlich gute Treppe hinauf. In der Karanlık Kilise/Dunkle Kirche (11./12.Jahrhundert )muss man erst zusätzlich Eintritt zahlen und dann die Augen an die Dunkelheit gewöhnen.... So dunkel fanden wir es gar nicht.... Danach erkennt man die wohl perfekteste Freskenmalerei in Kappadokien. Ähnlich wie in der Elmalı Kirche sind hier ein paar Szenen aus dem Alten Testament (wiederum die Gastfreundschaft des Propheten Abrahams und die Verbrennung der drei Jünglinge im Feuerofen) und nahezu die gesamte Geschichte des neuen Testaments dargestellt. Durch den geringen Lichteinfall befinden sich die Fresken in einem ausgezeichneten Zustand. Die Bilder sind wirklich umwerfend, wir stehen und staunen.... 11 Jhd.! Es fällt uns auf, dass an mehreren Stellen bei den sonst perfekt erhaltenen Darstellungen die Gesichter beschädigt sind, als sollten sie ausgemerzt werden.




Die Fotos hier sind von Postkarten a fotografiert, aber die Farben sind wirklich noch genauso schön!
Jetzt ein Cay zum Erholen... Was haben wir wieder Glück mit dem Wetter gehabt.... Nur ein paar Tropfen zu Beginn des Rundgang..... Jetzt ins Hotel eine Stunde Füße hochlegen und dann fahren wir ins Soglani Tal.
***Die Apsis (Plural Absiden) ist ein im Grundriss halbkreisförmiger oder polygonaler Raumteil, der an einen Hauptraum anschließt; überwölbt von einer Halbkuppel wird er Konche genannt. Seltener, aber in einigen Kulturräumen wie z. B. in England vorherrschend, sind rechteckige oder quadratische Apsiden.Wikipedia